Lecture about Listening to Music

Freitag 26. September 2020 – Kunstraum Walcheturm, Zürich, 20 Uhr

Samstag 27. September 2020 – Druckereihalle Ackermannshof, Basel, 20 Uhr

 

Program:

 

Edu Haubensak (*1954)

Message (1994) Eine choreografierte Musikperformance für vier Schlagzeuger (Becken à due)

 

Earl Brown (1926-2002)

December 1952 für variable Besetzung

 

Misch Käser (*1959)

Juturna (2003) für Saxophon und Klassische Gitarre

 

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Matthew Shlomowitz (*1975)

Lecture about Listening to Music (2017) für Sprecher, Saxophon und Synthesizer

 

soyuz21 – contemporary music ensemble zürich

Sascha Armbruster – Saxophon

Mats Scheidegger – Gitarre

Philipp Meier – Synthesizer

Isaï Angst – Klangregie

 

Im September 2020 präsentiert soyuz21 ein Projekt mit Werken von Edu Haubensak, Mischa Käser, Earl Brown und Mathew Shlomowitz.

 

In diesem Konzertprojekt widmet sich das Ensemble dem Hören und Erfahren von Musik im Raum.

Diese zentralen Aspekte des Musikbertriebs werden auf verschiedene Weise sicht-und hörbar gemacht. Edu Haubensak lässt die räumliche Wahrnehmung der Zuhörenden in wechselnden Perspektiven erleben. Er schreibt: „Das Aufeinanderprallen der verschiedenen Becken während der Performance hört man vorerst aus den vier Ecken des Raumes und allmählich wandern diese Klänge auf den vorgezeichneten Wegen durch das Publikum. Jedem einzelnen Besucher wird ein ‚privater Klangʼ der Becken direkt ans Ohr gehalten, der einen unerwarteten spektralen Sound im Innern des Körpers entfaltet. Nach diesem zentralen Ereignis der Performance entfernen sich die Beckenklänge und mischen sich erneut mit den anderen.“ Er lässt so den Zuhörenden eine direkte Erfahrung mit Klang erleben.

In Earl Brown’s historischem Werk December 1952 scheint es nicht mehr die Frage zu sein, dem Interpreten eine Information zu übermitteln, die nach einem vorher existierenden Protokoll verschlüsselt ist; vielmehr wird die gesuchte Beziehung zu der Aussage/Komposition eines unscharfen (und gleichzeitig gespannten) plastischen Raumes, innerhalb dem sich der Interpret bewegen kann, um die Musik so zu spielen, wie sie jedes Mal neu komponiert wird.

Man schaut auf die Partitur und sieht vertikale Linien, horizontale Linien, fast Punkte, von unterschiedlicher Dicke und Länge. Wir sehen auch Abstände, Abstände, Abstände. Höhe, Dauer, Intensität, Klangfarbe.

Eine Partitur verräumlicht immer die Dauer. Aber sie tut dies, indem sie die Zeit mit der Entfaltung der Schrift von links nach rechts auf Papierblättern ausrichtet, die ein potenziell unendliches Band bilden. Anstatt diese Parade von Noten aus traditionellen Partituren zu akzeptieren, verräumlicht Brown hier die Dauer in alle Richtungen und innerhalb eines festen, nach den Prinzipien des Tableaus abgegrenzten Rahmens. Durch Projektion der Partitur sind die Zuhörenden eingeladen, dem Klangexperiment zu folgen.

 

Mischa Käser behandelt in Juturna die beiden Instrumente Saxophon und Klassische Gitarre auch auf sehr visuelle Weise. Durch Modifikation der Instrumente während dem Spielen wird das Ohr durch das Auge geführt und umgekehrt.

 

All diese Aspekte führen hin zu Matthew Shlomowitz. Für Matthew Shlomowitz definiert diese Aufmerksamkeit für räumlich-klangliche Materialität eine besondere Art des Hörens, die er zu Beginn seiner Lecture about Listening to Music untersucht hat. Niemals nur eine Frage des Ohres, sondern ein Gewirr sozialer und kultureller Kontingenzen, das Shlomowitz als ein solches zeigt. Überlebensinstinkt, Textgestaltung, das Auftreten von Interpreten: Unzählige Faktoren prägen das Hören, die jede Illusion einer ungefilterten Klangerfahrung aufheben. Obwohl das Stück dies nicht anspricht, verunsichern sie auch jede Illusion, dass Zuhören unpolitisch ist: Es ist nicht nur eine Frage, ob man mit den Ideen eines bestimmten Theoretikers vertraut ist, sondern auch, was entscheidend ist, ob man die sozioökonomischen Ressourcen hatte, die helfen, diese Ideen verfügbar zu machen.

In seinem halbstündigen Werk Lecture about listening of music für Sprecher, Saxophon und Synthesiser verspricht er ein vergnügliches und hintersinniges Spektakel.