Songbook

Samstag 27. November 2021 – Druckereihalle Ackermannshof, Basel

Sonntag 28. November 2021 – Kunstraum Walcheturm, Zürich

 

Programm:

 

André Meier (*1974)

Neues Werk für Gitarre, Klavier, Schlagzeug, ePlayer und Polytempo-Network (UA)

 

Hans Thomalla (*1975)

Neues Werk für Saxophon, E-Gitarre und Synthesizer (2021, UA)

Dauer: ca. 20 Minuten

 

Bernhard Lang (*1957)

DW 16.4 «Songbook I» für Stimme, Saxophon, E-Gitarre, Klavier und Schlagzeug (2005/2021, UA der Neufassung)

 

 

soyuz21 – contemporary music ensemble zürich
Sarah Maria Sun – Stimme
Sascha Armbruster – Saxophon
Mats Scheidegger – E-Gitarre
Philipp Meier – Keyboard
Julien Mégroz – Schlagzeug
Isaï Angst – Klangregie
 

 

Im November 2021 findet in Zusammenarbeit mit der Sängerin Sarah Maria Sun das Projekt «Songbook» statt. Drei Werke stehen auf dem Programm: Neue Werke von André Meier und Hans Thomalla sowie der Liederzyklus DW 16 «Songbook I» von Bernhard Lang. Bernhard Lang wird für soyuz21 und Sarah Maria Sun eine Neufassung des 35-minütigen Werks «Songbook I» aus dem Jahre 2005 für Stimme, Saxophon, E-Gitarre, Klavier und Schlagzeug erstellen. Die Werke des Programms beschreiben die folgenden Texte der Komponisten:

 

«die texte: popsongs, mit denen ich viel an persönlicher geschichte verbinde; all along the watchtower: eine art lebensphilosophie in kürze, ophelia, ein großes liebesgedicht, burning sister, eine lsd vision.

das alles ist vergangenes und wird mittels abulafia, einem cutup/scramblerprogramm zertrümmert. die spuren der textfragmente sind mir splitter des spiegels, das original als vielheit reflektierend.

die texte von dieter sperl und robert creeley stehen für mich in der unmittelbaren nähe zu dieser art von lyrik, texte, die aus sich heraus schon songs sind oder unmittelbar zu diesen führen.

als untergrund der stimmen fungieren meistens “damaged beats”, scratchloops von rock- und jazzpatterns.» (Bernhard Lang, 2005)

 

«Die Besetzung von soyuz21 – Synthesizer, elektrische Gitarre, Saxophon – verheißt eine unglaublich faszinierende Klangwelt und ist zugleich eine Herausforderung. Die Verbindung aus analoger elektronischer Klanggestaltung (E-Gitarre, Analoger Synthesizer), der grenzenlosen Möglichkeit digitaler Sounds (Digital Synthesizer, digitale Pedale der Gitarre), und zugleich der fast kreatürlichen Körperlichkeit des Saxophons und seiner Mehrklänge, verspricht eine musikalische Landschaft, die ständig neue Verbindungen aus fast unmittelbarem akustischen Klang einerseits, und dessen elektronischer Filterung, Veränderung, Abbildung anderseits auslotet. Das Saxophon, das jüngste und zugleich vielleicht das am meisten Genre- und Stil-übergreifende der Blasinstrumente sitzt zwischen den ästhetischen Stühlen – akustisches Instrument und zugleich ein Produkt komplexer (analoger) Technologie; Melodie-Instrument und damit ganz nah der menschlichen Stimme, und zugleich in seinen Multiphonics mit der Möglichkeit ganz eigener harmonischer Klangwelten ausgestattet.

Ein mit Überdruck geblasener Saxophon Mehrklang verzerrt, so wie ein E-Gitarren Distortion-Pedal, oder die digitale Verzerrung des Synthesizers. Leicht verstimmte Oszillatoren schweben genauso wie leise zweiklänge im Saxophon, oder ein pianissimo Vibrato des Gitarren-Volume-Pedals. Eine einzelne gezupfte Seite, die endlos verhallt wird, oder nur als kurzer Impuls für einen Ausklang einer Synthesizer-Saxophon Harmonie dient – die klanglichen Möglichkeiten dieses merkwürdigen, hybriden Trios sind endlos.

In meinem neuen Stück für Soyuz21 will ich diese klanglichen Möglichkeiten auskundschaften – wohin mich die Reise da führt, lässt sich unmöglich vorhersagen. Aber es wird nicht nur eine Reise sein, die diese Klänge und ihre Zusammenhänge und Veränderungen erkundet, sondern die auch vom subjektiven Ausdruck des Melodieinstruments erzählt, und seiner Spiegelung und Transformation durch Technologie, und seiner Verzerrung bis zum akustischen „Schrei“ der Instrumente. » (Hans Thomalla, September 2020)

 

Seit längerer Zeit beschäftige ich mich in meiner kompositorischen Arbeit (technologisch und künstlerisch) mit den Möglichkeiten, die das Polytempo-Network-System – welches das Live-Generieren von Partituren ermöglicht – bereitstellt. Drei meiner letzten Arbeiten waren dabei künstlerische Auseinandersetzungen mit offenen/modularen Formen, in denen der Computer das Stück generierte (Ablauf/Tempi etc.) – entweder unmittelbar vor der Aufführung oder auch in „Quasi-Realtime“ währenddessen. Für ein neues Projekt interessiert mich nun, ob und wie es möglich ist, dynamische Interaktionen zwischen Instrumentalist*innen zu erzeugen, welche während der Aufführung entstehen, jenseits von Zufall und Vorbestimmheit.

In dieser entstehenden Arbeit existieren zwei unabhängig gestaltete Stücke (für Gitarre+Schlagzeug und Klavier), die parallel und  autonom erklingen und deren Abläufe vorab nicht festgelegt sind. Jedes dieser Stücke ist so komponiert und konzipiert, dass die Spieler*innen zwischen mehreren parallel laufenden „Spielpfaden“, welche sich durch unterschiedliche Materialität/Harmonik/Gestik kennzeichnen, sich in einer Art Matrix bewegen. Dieses „Sich-Bewegen,“ so wie auch die individuellen Tempiverläufe sind dabei nicht zufällig (oder vorbestimmt), sondern ein Algorithmus rechnet oder simuliert Spielwege/Verläufe innerhalb eines nichtlinearen Systemverhaltens; so  „beobachten sich”  beide Stücke stets gegenseitig und reagieren auf jeweils bestimmte Muster und Verhaltensweisen ihres Gegenübers in einem dynamischen Verhaltens- und Beziehungssystem. Jedem Instrument ist zudem noch ein ePlayer-Double zur Seite gestellt, welches bei extremen Tempi/Technikwechsel etc. die Interpret*innen ablösen und somit technische Erweiterung der Musiker*innnen sind. In dieser neuen kompositorischen Arbeit sind dabei nicht die Musiker*innen die alleinigen „Performer*innen“, der Algorithmus – welcher (wie beschrieben) bestimmt und errechnet, was geschieht – wird ebenso zum entscheidenden (und ebenso agierenden) Faktor, zu einer Art Mitspieler. (André Meier, 2020)

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